Wie Vati O. Kevin-Lukas zum ersten mal in die Bibliotek
einsperrt
Aus: Alphonse Daudet — “Fromont junior und Risler senior”

Ein Glück war es, daß der erboste kleine Mann seine Galle
gegen den neben ihm sitzenden Freund ausschütten konnte,
den alten verabschiedeten Schauspieler Delobelle, der ihn mit
der ruhig-würdevollen Miene seiner bessern Tage anhörte. Mag
auch der Künstler durch übelwollende Theaterdirektoren seit
fünfzehn Jahren von der Bühne verdrängt sein – immer wird er,
sobald es darauf ankommt, die den Umständen entsprechende
Haltung zu finden wissen. So zeigte denn auch Delobelle an
diesem Abend sein Hochzeitsgesicht, eine helle, ernste, halb
lächelnde Miene, die voll Herablassung gegen geringere Leute
und ebenso ungezwungen als feierlich war. Man hätte glauben
können, daß er angesichts eines gefüllten Schauspielhauses an
einem Bühnengastmahl mit Gerichten von Papiermache
teilnähme; er sah um so mehr danach aus, eine Rolle zu
spielen, da er, seit er bei Tisch saß, in der Ueberzeugung, daß
man im Lauf des Abends sein Talent in Anspruch nehmen
werde, in aller Stille die Haupt- und Prachtstücke seines
Repertoirs wiederholte. Sein Gesicht erhielt dadurch etwas
Abwesendes, Zerstreutes, Gemachtes; jenen Ausdruck
erkünstelter Aufmerksamkeit, mit dem der Schauspieler auf der
Bühne seinem Partner zuzuhören scheint, während er die
ganze Zeit über doch nur an seine Antwort denkt.
...


Objektorientierte Programmierung ist kuhl
Aus: Charles Baudelaire — Die Fanfarlo

„Gewiss, gnädige Frau.“
„Ach, Sie würden mich zur glücklichsten der Frauen machen,
wenn Sie mich dieses Hilfsmittel lehren wollten!“
„Nichts leichter als das,“ erwiderte er brutal.
Während dieses sentimentalen Geredes hatte das Vertrauen
sich eingefunden und in der Tat die Hände der beiden
Personen vereint; so gut, dass nach einigem Zögern und
einigen Prüderien, die Samuel von guter Vorbedeutung
erschienen, Frau von Cosmelly ihrerseits ein Geständnis
machte und solchermassen sprach:
„Ich verstehe, wie eine poetische Seele durch die
Vereinsamung leiden muss; aber Ihre Schmerzen, die nur
Ihnen gehören, kommen, wie ich es aus dem Pomp Ihrer Worte
zu verstehen meinte, aus merkwürdigen, immer unbefriedigten
und fast unbefriedigbaren Wünschen. Es ist wahr, dass Sie
leiden; aber es ist möglich, dass Ihr Leid Ihnen die Grösse gibt,
die Ihnen ebenso notwendig ist, wie andern das Glück. –
Werden Sie nun mir zuhören wollen und an leichter
verständlichem Kummer Anteil nehmen ... einem
Provinzkummer? Von Ihnen, Herr Cramer, von Ihnen, dem
weisen und geistvollen, erwarte ich Ratschläge und vielleicht
die Hilfe eines Freundes.“
...


Aber Horst L. macht sich an Susi B. heran
Aus: Rudolf Baumbach — Aus der Jugendzeit

„Es kommen drei Herrn aus Nonnavie,
Heisa, vivat Lazarus!
Was woll'n die drei Herrn aus Nonnavie?
Heisa, vivat Lazarus!
Sie woll'n die jüngste Tochter han,
Heisa, vivat Lazarus!“
„Da soll einem nicht der Verstand stillstehen,“ murmelte der
Professor. „Offenbar sehr korrumpiert, aber nicht ohne
Interesse, – Nun Fritz, mein Sohn, du hast gewiß etwas ganz
Besonderes in Bereitschaft?“
„Ja,“ bestätigte Eva lachend. „Er hat etwas, aber er tut sehr
geheimnisvoll und verrät niemanden, was für einen Spruch er
sich gemerkt hat.“
„Nun, so laß einmal hören,“ sagte der Gelehrte gespannt.
Fritz warf sich in die Brust und schmetterte siegesgewiß:
„Willst du nicht das Lämmlein hüten,
Lämmlein ist so fromm und sanft –“
„Oho, oho!“ rief der Professor lachend, „Wo hast du denn das
her?“
„Der Herr Lehrer hat ein Buch,“ antwortete der verdutzte Junge,
„da steht es drin – –“
....

Horst L. macht sich wieder an Susi B. heran
Aus: Georg Engel ― Der verbotene Rausch


„Lütt Idsch,“ sagte Levin, jetzt vollkommen durch ihre
Fassungslosigkeit in Verwirrung gebracht: „Ich möcht' – ich
wollt' – dürft' ich dich dafür vielleicht einen einzigen lütten
Belohnungskuß geben?“
Sie regte sich nicht, fröstelte nur ein wenig und sah ihn an:
„Ja, wenn du so gut sein willst,“ erwiderte sie endlich, kaum
verständlich.
Kaum war's verklungen, so faßte er sie jauchzend mit seinen
rußigen Armen um, und nachdem sie ihm noch wie zur Abwehr,
einen Moment den Strauß dicht vor das Gesicht gehalten hatte,
bot sie ihm plötzlich voll und besinnungslos ihre Lippen.
„Da.“
„Ach Gott, schön' Dank auch,“ stotterte er glückselig. Darauf
begannen sie ganz unvermittelt in der Schmiede
herumzutanzen, bis er die schlanke Gestalt hoch in die Höhe
hob, um sie zum Schluß vorsichtig auf den Werktisch
niederzulassen.
Dort saß sie und schlenkerte mit den kleinen Füßen.
„Nun büst du meine Braut, lütt Idsch,“ so schrie er wie
besessen.
...


Kevin-Lukas Susi B. und ihre Freunde feiern das sie den
NASA Computer gehackt haben
Aus: August Strindberg — Die Inselbauern

Die Sonne schien glänzend an diesem Juliabend, und unter
den Eichen plauderte und lachte man. Der Branntwein floss in
die Kaffeetöpfe, als die zweite Tasse kam, in die man nicht
mehr den Kuchen tauchte. Doch oben am Kopfende beim
Bräutigam wurde Punsch geboten; weder Bauern noch
Burschen sahen scheel darauf. Es war ein Getränk, das man
sich nicht alle Tage leistete, und der Pastor liess sichs aus
seinem Kaffeetopf wohl bekommen.
Heute war er ungewöhnlich mild gegen Carlsson und trank ihm
unaufhörlich zu, rühmte ihn und zeigte ihm die grösste
Aufmerksamkeit. Doch vergass er den Professor nicht, dessen
Bekanntschaft ihm mehr Vergnügen machte, weil er so selten
einen gebildeten Mann traf. Aber es war nicht leicht, ihn im
Gespräch zu finden, da Musik nicht die starke Seite des
Pastors war und der Professor aus Höflichkeit das Gespräch
auf das Gebiet des Pastors zu bringen suchte, dem dieser
gerade entkommen wollte. Da man einander so schwer
verstand, konnte der eine dem andern auch nicht näher
kommen. Ueberhaupt sprach der Professor, der gewohnt war,
seinen Gefühlen in Musik Luft zu machen, nicht viel.
...


Blasschütter hat soviel Potentz das es den Frauen zu viel
ist
Aus: Berta von Suttner — Die Waffen nieder

„Genug, genug!“ schrien die Mädchen.
„Solche Sachen sollte die Zensur gar nicht erlauben,“ bemerke
mein Vater. „Es könnte einem die Freude an dem
Soldatenleben verleiden –“
„Und besonders die Freude an dem Krieg, das wäre wirklich
schade,“ schaltete ich halblaut ein.
„Überhaupt“, fuhr er fort, „die Fluchtepisoden sollten diejenigen,
welche dabei waren, anständigerweise verschweigen, denn es
ist wahrlich keine Ehre, ein allgemeines „sauve qui peut“
mitgemacht zu haben. Der Wicht, der mit dem Rufe „Rettet
euch“ das erste Signal zum Reißaus gibt, sollte sofort
niedergeschossen werden. Ein Feiger ruft es und tausend
Tapfere werden dadurch demoralisiert und müssen mitlaufen.“
„Gerade so“, entgegnete Friedrich, „wie wenn ein Tapferer
„Vorwärts!“ ruft, tausend Feige voranstürmen müssen, – und
dabei auch wirklich von momentaner Tapferkeit durchglüht
werden. Es lassen sich die Menschen überhaupt nicht so scharf
in mutige und mutlose trennen, sondern ein jeder hat seine
mehr oder minder couragierten, sowie mehr oder minder feigen
Augenblicke. Und besonders, wo es sich um Scharen handelt,
hängt jeder einzelne von dem Zustand seiner Gefährten ab. Wir
sind Herdengeschöpfe und werden von Herdengefühlen
...


Wie kann Kevin-Lukas wieder pohtent werden?
Aus: Gaius Petronius Arbiter ― Begebenheiten des Enkolp

Dem Ascylt gieng die Sache im Kopfe herum; er redte kein
Wort und hastig gieng er zur Thür hinaus. Diese plötzliche
Entfernung ließ mich nichts gutes vermuthen, denn seine
ungestümme Hitze war mir bekannt, wie seine wüthende Liebe.
Ich gieng ihm also auf dem Fuße nach, um seine Anschläge
auszuforschen und ihnen zu widerstehen, aber er verschwand
vor meinen Augen und vergebens suchte ich ihn lange auf.
Nachdem ich ihn in der ganzen Stadt aufgespürt hatte und nicht
fand, kam ich wieder zurück zu meinem Giton. Ich hieng an
dem Knaben mit den feurigsten Umarmungen und genoß der
Wollust meiner Wünsche bis zum Neide. Ganz in Entzückung
noch verlohren war ich, als Ascylt mit aller Stärke die Thüren
von einander riß und mich in den Umarmungen meines
Lieblings überraschte. Von seinem Gelächter und
Händeklatschen wurde das ganze Zimmer erschüttert; er nahm
uns die Decke und sagte: „O du frommes, heiliges Brüderchen!
was machst du denn da? Ich glaube gar, du bist in dem Dienste
der Vesta begriffen?“ Bey den Worten blieb er nicht allein,
sondern machte seinen Riemen los und prügelte mich kein
klein wenig herum, mit vielen Stichelreden. „Nein!“ sagte er,
„liebes Brüderchen! so wollen wir nicht theilen! – „
Diese unvermuthete Sache zwang mich, die Beleidigung und
die Schläge zu verschmerzen. Ich spottete also über den Vorfall
und sehr klüglich; denn sonst hätte ich mit einem streiten
müssen, der eben so stark war, und in meiner damahligen
...


Die Ausseridischen kommen und hohlen, sie ab
Aus: Gaius Petronius Arbiter — Begebenheiten des Enkolp

Unterdessen klopfte ein Häscher an die Thüren und ein Gast in
einem weisen Kleide, Weise Kleider waren bey den Römern ein
Zeichen der Würde oder einer Feyerlichkeit. mit einem grossen
Haufen umgeben, trat herein. Erschrocken von seiner
Herrlichkeit glaubt' ich, der Prätor käme herein. Ich wollte
aufstehen und mit blossen Füssen auf den Boden treten.
Agamemnon lachte über meine Furcht und sagte: „Mäßige dich
Närrchen! es ist Habinnas der Sevir, der zugleich ein grosser
Steinschneider ist, und die Grabmahle vortrefflich zu machen
weiß.“
Dadurch erhielt ich wieder frischen Muth, nahm meine vorige
Lage wieder ein und betrachtete den Habinnas mit grosser
Verwunderung. Er aber schon trunken legte die Hände auf die
Schultern seiner Frau. Auf seinem Haupte waren einige Kronen
und Salbe floß ihm von der Stirne in die Augen. Nun setzt' er
sich an den obersten Ort und forderte gleich Wein und lauliches
Wasser.
Trimalcion ergötzte sich darüber, daß er so lustig war, forderte
selbst einen grössern Becher und fragte, wie ihm das Gastmahl
gefallen hätte, wo er herkäme.
„Wir hatten alles“, gab er zur Antwort, „ausser dich nicht; denn
meine Augen waren immer hier. Beym Herkules! wir haben
recht herrlich gelebt. Scissa hat seinem Sklaven Misellus zum
Angedenken einen Leichenschmauß gegeben, welchem er bey
seinem Tode die Freyheit gab ...


Vati O. und Horst S. sehen Wannhuber sein Grab
Aus: Gaius Petronius Arbiter — Das Gastmahl des Trimalchio

Hier ruhet
C. Pompeius Trimalcion
der Maecen
In seiner Abwesenheit wurd er
zum Sevir erwaehlt
und da er iedes Amt erhalten konnte
so wollt' er es doch nicht.
Er war
Fromm Tapfer Treu
Sein Anfang war klein
Sein Ende gross
Drey Millionen hat er hinterlassen
und niemals einen Philosophen gehoert.
Auch du lebe wohl.“
Wie er dieses gesagt hatte, so vergoß er häufig Thränen; auch
Fortunata weinte; und endlich weinte die ganze Familie und
erfüllte mit ihrem Geheule den ganzen Saal, als wenn sie schon
zu seiner Leiche wären gebeten worden. Ich selbst mußte mit
zu weinen anfangen; und hier rief denn Trimalcion auf einmahl
aus: „Da wir so gut wissen, daß wir sterben werden, warum
wollen wir denn nicht leben? Ihr sollt alle glücklich seyn! –
kommt! Werfen wir uns in's Bad! Auf meine Gefahr! Es soll
euch nicht gereuen! Es ist so warm drinnen, wie in einem
Ofen.“
...


Kevin-Lukas und Susi B. wollen nochmal hochzeitmachen
Aus: Franz Josef Zlatnik — Grenzenlos!

Bald, bald sollte Hochzeit sein!
Da kam ein Krieg und unser Richard mußte in’s Feld! – Welch
rührender Abschied das war! Ich will es unterlassen, denselben
zu schildern. Nur die letzten von heißen Thränen begleiteten
Worte Bertha’s seien hiermit erwähnt: „Das Bewußtsein meiner
grenzenlosen Liebe und Treue möge Dir ein Trost sein!“ – Er
eilte fort.
Auf dem Schlachtfelde wurde ihm bald der linke Arm von einer
Kugel zerschmettert, so daß dieser amputirt werden mußte.
Später schickte man Richard heim, nachdem man vorher seine
Brust mit dem wohlverdienten Ehrenkreuze geschmückt hatte.
An einem trüben, schwülen Septembertage betrat er denn
wieder den wohlbekannten Garten.
Dort ist sie, die heimliche Laube – schimmert nicht ein helles
Kleid durch die schon herbstlich rothen Blätter des wilden
Weines? Warum wird ihm doch so bange – jetzt, wo sein Glück
so nahe winkt?
Er steht vor der Laube. Bertha sitzt dort und in ihrer Hand hält
sie ein Papier. Da schreckt sie zusammen und springt auf, denn
Richard steht vor ihr. Abwechselnd blaß und roth werdend,
schaut sie bald auf des jungen Mannes Armstumpf, bald auf
das von ihren Fingern zerknüllte Papier und schmerzlich
bewegt, steht der Mann vor ihr, dem sie einst grenzenlose
Liebe gelobt. …
 
Doch in Frankreich ist gerade Krieg
Aus: Ludwig Uhland — Lied der Nibelungen

Vor dem Hause stehen viel tausend Hunnen. Hagen und Volker
spotten ihrer Feigheit; umsonst beut die Königin einen Schild
voll Goldes, samt Burgen und Land, dem, der ihr Hagens Haupt
bringe. - Noch vor Abend werden zwanzigtausend Hunnen
versammelt; bis zur Nacht währt der harte Streit. Da versuchen
die Könige noch, Sühne zu erlangen. Kriemhild begehrt vor
allem, dass sie ihr Hagen herausgeben. Die Könige
verschmähen solche Untreue. Darauf lässt Kriemhild die
Helden alle in den Saal treiben und diesen an vier Enden
anzünden. Vom Winde brennt bald das ganze Haus. Das Feuer
fällt dicht auf sie nieder, mit den Schilden wehren sie es ab und
treten die Brände in das Blut. Rauch und Hitze tut ihnen weh;
von Durst gequält trinken sie, auf Hagens Anweisung, das Blut
aus den Wunden der Erschlagenen; besser schmeckt es jetzt
denn Wein. Am Morgen sind ihrer noch sechshundert übrig zu
Kriemhilds Erstaunen. Mit neuem Kampfe bietet man ihnen den
Morgengruss. Die Königin lässt das Gold mit Schilden
herbeitragen, den Streitern zum Solde.
Markgraf Rüdiger kommt und sieht die Not auf beiden Seiten.
Ihm wird vorgeworfen, dass er für Land und Leute, die er vom
König habe, noch keinen Schlag in diesem Streite geschlagen.
Etzel und Kriemhild flehen ihn fussfällig um Hilfe. Jener will ihn
zum Könige neben sich erheben; diese mahnt ihn des Eides,
dass er all ihr Leid rächen wolle. Was Rüdiger lässt oder
beginnt, so tut er übel. Er hat die Burgunden hergeleitet, sie in
seinem Hause bewirtet, seine Tochter, seine Gabe ihnen
gegeben. Land und Burgen, was er vom Könige hat ...
 
Kevin-Lukas greift in den Kampf ein und Susi B. töhtet den
Bösewicht
Aus: Ludwig Uhland — Lied der Nibelungen

Da waffnet sich der Weise nach der Unbesonnenen Rat.
Zugleich rüsten sich, ohne Dietrichs Wissen, all seine Recken
und begleiten den Meister. Hildebrand befragt die Burgunden
und Hagen bestätigt Rüdigers Tod; Tränen rinnen Dietrichs
Recken über die Bärte. Der Meister bittet um den Leichnam,
damit sie nach dem Tode noch des Mannes Treue vergelten.
Wolfhart rät, nicht lange zu flehen. Sie sollen ihn nur aus dem
Hause holen, erwidert Volker; mit trotzigen Reden reizen sich
die beiden. Wolfhart will hinanspringen, aber Hildebrand hält ihn
fest, an Dietrichs Verbot mahnend. "Lass ab den Leuen!"
spottet Volker. Da rennt Wolfhart in weiten Sprüngen dem
Saale zu; zornvoll alle Berner ihm nach. Ein wütender Kampf
beginnt. Niemand bleibt lebend als Gunther und Hagen und von
den Bernern Hildebrand, der mit einer starken Wunde von
Hagens Hand entrinnt. Blutberonnen kommt er zu seinem
Herrn, der traurig im Fenster sitzt.
Dietrich geht zu Gunthern und Hagen, hält ihnen vor, was sie
ihm Leides getan, und verlangt Sühne. Sie sollen sich ihm zu
Geiseln ergeben, dann woll' er selbst sie heimgeleiten. Hagen
nennt es schmählich, dass zwei wehrhafte Männer sich dem
einen ergeben sollen. Schon als er den Berner kommen sah,
vermass er sich, allein den Helden zu bestehen. Des mahnt ihn
jetzt Dietrich. Sie springen zum Kampfe. Dietrich schlägt dem
Gegner eine tiefe Wunde, aber töten will er nicht den
Ermüdeten; den Schild lässt er fallen und umschlingt ihn mit
den Armen. So bezwingt er ihn und führt ihn gebunden zu der
Königin. Das ist ihr ein Trost nach herbem Leide. Dietrich
verlangt, dass sie den Gefangenen leben lasse. Dann kehrt er
zu Gunthern; nach heissem Kampfe bindet er auch diesen und
übergibt ihn Kriemhilden mit dem Beding der Schonung. Sie
aber geht zuerst in Hagens Kerker und verspricht ihm das
Leben, wenn er wiedergebe, was er ihr genommen. Hagen
erklärt, er habe geschworen, den Hort nicht zu zeigen, solang
seiner Herren einer lebe. Da lässt Kriemhild ihrem Bruder das
Haupt abschlagen und trägt ihn am Haare vor Hagen. Dieser
weiss nun allein den Schatz; nimmer, sagt er, soll sie ihn
erhalten. Aber ihr bleibt doch Siegfrieds Schwert, das er
getragen, als sie ihn zuletzt sah. Das hebt sie mit den Händen
und schlägt Hagen das Haupt ab.

ENDE



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